Ismene

Sophokles/ Hölderlin/ Brecht/ Anouilh/ Shouery

Sieht man Antigone als die erste Selbstmordattentäterin des Mythos, die für die Gleichheit aller Menschen vor einer dem menschlichen Recht übergeordneten Instanz in den Tod geht, so kann man unter diesem Aspekt die Frage nach dem Schicksal ihrer Schwester Ismene stellen, die in der Antigone des Sophokles ungeklärt bleibt. Tausende Jahre lang dachte man, dass nur die Aufständischen, deren Ikone Antigone war, ihre Rebellion mit dem Tod bezahlen. Doch was ist, wenn die „Angepassten“ plötzlich durchdrehen, wie es heute im Land der Waffennarren, den USA, immer häufiger vorkommt? Und: wie angepasst ist Ismene eigentlich? Ist nicht sie, die eigentliche Heldin unserer Zeit? Sind wir so nicht selbst?

Wie weit muss Anpassung gehen, damit sie tödlich ist? Dieser Frage wollen wir nachgehen, wenn Ismene im Amerika dieses Jahrhunderts von einem „Cowboy“ zu neuem Leben erweckt wird, nachdem sie versucht hatte, sich, geplagt von Schuldgefühlen, das Leben zu nehmen.