Der Vater

von August Strindberg

Laura gelingt es, bei ihrem Mann den Verdacht zu wecken, Bertha wäre nicht sein Kind. Durch eine geschickte Intrige versucht sie, ihn wegen dieses „wahnsinnigen“ Gedankens entmündigen zu lassen, um dann alleine über ihre Tochter bestimmen zu können. Der Kampf um Macht und Erziehungsgewalt eskaliert und zieht Familie und Umfeld in einen Strudel von Wahn und Hass....

„Du wolltest es nicht, ich wollte es nicht, und doch wurde es so...“

„Der Vater“ ist ein Stück über Machtstrukturen in Beziehungen, die - auch nach Auflösung des patriarchalen Systems - zu oft lange geduldeten und nie ausgesprochenen Verletzungen, und letztendlich zu destruktivem Verhalten führen. Probleme werden erst in Angriff genommen, wenn sie zu groß geworden sind, um noch vernünftig bewältigt zu werden. Man war zur Lösung von Konflikten nicht in der Lage, weil man deren Ursachen nicht erkannt hat, sie nicht formulieren konnte, oder sie tabuisiert wurden.

Die scheinbar leicht zu entscheidende Frage um die Erziehung der gemeinsamen Tochter wird zum Vehikel für die Eskalation eines Kampfes zwischen den Eheleuten, der auf dem Rücken des Kindes ausgetragen wird. Wer von uns hat nicht schon erlebt, dass er gerade jenen Menschen gegenüber, die er liebt, zu ungeahnten Aggressionen fähig ist. Die wahre und auch zeitlose Tragödie ist, dass sich zwei Menschen in Strukturen, die sie selbst geschaffen und gelebt haben, in völliger Hilflosigkeit gegenüberstehen.